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Nachweisbare Veränderungen im Gehirn nach ILF-Neurofeedback: Jetzt gibt es eine bildgebende Evidenz für Veränderungen der Hirnvernetzung.

20. April 2026

not ist ein Fachmagazin, das sich an Patientinnen und Patienten mit Schädel-Hirnverletzungen, Schlaganfall sowie anderen erworbenen Hirnschäden richtet – und gleichzeitig Einblicke für Fachkräfte, Angehörige und Interessierte bietet. Das Magazin liefert fundierte Artikel, praxisnahe Tipps und aktuelle Entwicklungen aus der Neurorehabilitation.

Im März veröffentlichte das Magazin in Zusammenarbeit mit BEE Medic einen Beitrag zum Thema ILF Neurofeedback. Den Beitrag lesen Sie hier oder im folgenden Text.
 

Veränderungen im Gehirn sichtbar machen
In der neurologischen Rehabilitation wird zunehmend Neurofeedback eingesetzt. Das bezeichnet Verfahren, bei denen die elektrische Aktivität des Gehirns über Elektroden an der Kopfoberfläche gemessen und mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) ausgewertet wird. Die gewonnenen Informationen werden in Echtzeit in eine Rückmeldung übersetzt, zum Beispiel über visuelle und auditive Veränderungen in einem Film oder einer Animation. Auf diese Weise erhält das Gehirn fortlaufend Informationen über seine eigene Aktivität. Diese Rückmeldung kann Veränderungen in der Organisation und Regulation neuronaler Aktivität ermöglichen.


Symptombasierter Einsatz
Ein möglicher Ansatz ist der des Infra-Low-Frequency-Neurofeedback (ILF-Neurofeedback). Dabei werden extrem langsame Veränderungen der Gehirnaktivität in das Feedback einbezogen, die mit übergeordneten Selbstregulations- und Stabilisierungsprozessen in Verbindung stehen. ILF-Neurofeedback arbeitet nicht mit bewussten Aufgaben, sondern wirkt überwiegend auf einer unbewussten Ebene. In der Anwendung wird es symptombasiert eingesetzt. Ausgangspunkt sind konkrete Beschwerden, die als Ausdruck eingeschränkter Regulationsfähigkeit verstanden werden. ILF-Neurofeedback wird dabei nicht isoliert angewendet, sondern mit klassischen Frequenzband-Informationen kombiniert. Erst diese Kombination bildet das vollständige ILF-Neurofeedback-Protokoll.


Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren eröffnen in diesem Zusammenhang eine zusätzliche Perspektive. Eine zentrale Rolle spielt dabei die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT). Mit dieser lassen sich Veränderungen der Hirnaktivität indirekt erfassen, indem Durchblutung und Sauerstoffversorgung im Gehirn gemessen werden. Auf diese Weise lassen sich funktionelle Hirnnetzwerke abbilden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage:
Lassen sich Veränderungen im Gehirn nach Neurofeedback nicht nur über Symptomverläufe, sondern auch mithilfe dieses bildgebenden Verfahrens objektiv nachweisen?


Umfangreiche Studienlage
Zur Wirksamkeit neurofeedbackbasierter Verfahren, einschließlich ILF-Neurofeedback, liegen bereits zahlreiche klinische Studien vor. Was bislang jedoch weitgehend fehlte, waren bildgebende Daten, die zeigen, ob und wie sich unterschiedliche Bestandteile eines etablierten ILF-Neurofeedback-Protokolls im Gehirn niederschlagen.
Eine im Dezember 2025 in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlichte Studie greift genau diese Fragestellung auf. Ziel der Untersuchung war es nicht, Behandlungserfolge zu bewerten, sondern zu prüfen, ob sich nach einer einzelnen Neurofeedback-Sitzung objektive Veränderungen im Gehirn nachweisen lassen und ob diese davon abhängen, welche Signalanteile eingesetzt werden.
An der Studie nahmen insgesamt 135 gesunde Erwachsene teil. Die Untersuchung zielte damit auf grundlegende neurophysiologische Effekte und nicht auf klinische Behandlungsergebnisse ab. Die Teilnehmenden wurden in Gruppen eingeteilt und erhielten unterschiedliche Formen von Neurofeedback, bei denen entweder einzelne Signalanteile oder deren Kombination eingesetzt wurden. Vor und nach der Sitzung wurden mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie Veränderungen der Hirnvernetzung erfasst.

 

Mehr Informationen zu der fMRT-Studie finden Sie hier.

 

Neurofeedback therapy session

Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster. Stabile und statistisch belastbare Veränderungen der funktionellen Konnektivität zeigten sich ausschließlich nach Anwendung des vollständigen ILF-Neurofeedback-Protokolls, also bei der Kombination von klassischen Frequenzband-Informationen und Infra-Low-Frequency-Signalen. Wurden die Signalanteile getrennt betrachtet, ließen sich keine vergleichbar stabilen Veränderungen nachweisen.


Fazit
Auch wenn die vorliegende Studie keine Aussagen zur klinischen Wirksamkeit trifft, ist ihre Bedeutung für die Einordnung von Neurofeedback erheblich. Sie zeigt anhand bildgebender Daten, dass ILF-Neurofeedback mit einer Stabilisierung und stärkeren Vernetzung funktioneller Hirnnetzwerke einhergeht.
Die Arbeit ergänzt bestehende klinische Studien nicht durch weitere Wirksamkeitsdaten, sondern durch eine bildgebende Perspektive auf die zugrunde liegenden neurophysiologischen Prozesse. Für Betroffene kann dies eine wichtige Orientierung sein. Neurofeedback lässt sich damit nicht nur über subjektive Erfahrungen einordnen, sondern auch über objektiv messbare Veränderungen im Gehirn unter klar definierten experimentellen Bedingungen.