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Dawn Harris

Dr. Dawn Harris

Profil

Dr. Dawn Harris ist forensische und klinische Psychologin, ein Mitglied der British Psychological Society (BPS) und eine akkreditierte Psychotherapeutin. Sie hat über 20 Jahre lang sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor gearbeitet, wo sie umfangreiche Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen, die ein Trauma erlebt haben, gesammelt hat. Zuvor war sie Inhaberin und klinische Leiterin einer privaten psychiatrischen Klinik, die sich auf die Arbeit mit Menschen mit einer komplexen Trauma-Vorgeschichte spezialisiert hat, und hat traumai-nformierte rehabilitative Interventionen für forensische Einrichtungen entwickelt.

Sie entwickelte und liefert BPS-akkreditierte Trainings für Organisationen mit dem Ziel, trauma-informierte und reaktionsfähige Kulturen zu schaffen. Dawn ist in einer Vielzahl von Psychotherapien ausgebildet und ist Trainerin in CRM (umfassendes Ressourcenmodell).

Sie hat 2019 begonnen, mit Neurofeedback zu arbeiten und hat es als eine unglaublich wichtige Ergänzung zu ihrer Praxis empfunden. Derzeit hat sie ihre eigene Praxis, in der sie sich auf die Arbeit mit Menschen spezialisiert, die ein Trauma erlebt haben, einschließlich solcher mit komplexen und dissoziativen Störungen.

Erfahrungen mit Neurofeedback

  • arbeitet mit Neurofeedback seit 2019

Kursportfolio

  • Neurofeedback Grundkurs
  • Neurofeedback Infotage

Sprachen

  • Englisch

„Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass mein Sohn Andreas mal ein Bücherwurm werden wird, hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt“

06. Mai 2021

Der folgende Artikel erschien am 06. Mai 2021 in der VdK Zeitung. Der Sozialverband VdK Deutschland e.V. ist mit über zwei Millionen Mitgliedern der größte und am stärksten wachsende unabhängige Sozialverband Deutschlands. Die VdK Zeitung ist mit 1,7 Millionen Exemplaren pro Ausgabe die auflagenstärkste Mitglieder-Zeitschrift Deutschlands.

Wir freuen uns, dass wir Ihnen den vollständigen Artikel im Folgenden mit freundlicher Genehmigung der Redaktion zur Verfügung stellen können. Den Text finden Sie zudem auch auf der Webseite des VdK.

 

Gehirntraining mit Neurofeedback. Mit dieser Therapie lernen Menschen mit ADHS, Autismus oder Demenz, entspannter und aufmerksamer zu sein

Im Rahmen der Neurofeed­back-Therapie kann das Gehirn mit der Unterstützung eines Computers trainieren, ruhig und gleichzeitig konzentriert zu sein. Die Behandlungsmethode, die hierzulande noch relativ unbekannt ist, hat sich bei unterschiedlichen Erkrankungen und Störungen bewährt, etwa bei Demenz, Migräne, Tinnitus, ADHS und Autismus.

Gernot Wührer with his patient

„Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass mein Sohn Andreas* mal ein Bücherwurm werden wird, hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt“, erzählt Susanne Lenz* aus dem Münchner Umland. Denn der 13-Jährige hat eine Lese-¬Rechtschreib-Störung. „Andreas ist Legastheniker. Er hat Schwierigkeiten, die Wörter eines Textes schnell richtig zu erfassen. Sein Gehirn baut irgendwo Fehler ein“, erklärt Susanne Lenz. Bevor der Schüler vor einem Jahr mit dem Neurofeed¬back-Training begonnen hatte, bereitete ihm das Lesen große Probleme. Heute erlebt die Mutter ihren Sohn regelrecht als Leseratte.


Nicht nur beim Lesen, sondern auch im sozialen Bereich macht Andreas dank der computer¬unterstützten Neurofeed¬back-Therapie Fortschritte. Denn Andreas ist Autist. „Ich beobachte, dass er Menschen gegenüber offener geworden ist“, sagt die Mutter.


Wirksame Ergänzung


Susanne Lenz ist wegen der Behinderung ihres Sohnes mit ihm in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Behandlung. Dass dort auch Neurofeed¬back-¬Therapeut Gernot Wührer arbeitet, war für die Mutter ein glücklicher Zufall, weil man mit Gesprächstherapie schwer an ihren Sohn herangekommen ist. „Die Psychia¬terin hat Familie Lenz empfohlen, sich an mich zu wenden“, erzählt der Diplom-Psychologe. Er bringt die Wirkung der Behandlung auf den Punkt: „Das Gehirn lernt, sich selbst besser zu regulieren und einen je nach Situation angemessenen Zustand einzunehmen.“ Die Methode sei eine wirksame Ergänzung zu anderen Behandlungen.


Bevor die Therapie beginnt, wird ein ausführliches Anamnese-Gespräch geführt. Dann wird ein Behandlungsplan für das Neurofeedback aufgestellt. Bei Andreas Lenz habe Gernot Wührer zunächst mit Beruhigung und Konzentration angefangen. Dann kamen schrittweise die Themen Lesen und Schreiben, später der sozial-emotionale Bereich hinzu.


Der 47-Jährige beschreibt, wie eine Sitzung abläuft: „Wenn der Patient sitzt, werden Elektroden auf den Kopf geklebt. Diese werden mit einem Verstärker verbunden, damit die Gehirnaktivität auf dem Bildschirm dargestellt werden kann. Das spürt man nicht. Es wird kein Strom in das Gehirn eingegeben“, beruhigt der Experte. Das Feedback soll Spaß machen: Man kann einen Film anschauen oder ein Videospiel machen. „Diese zeigen dem Patienten in Echtzeit, was das Gehirn gerade tut“, betont der Therapeut.


Ein Beispiel: „Kinder mit ADHS oder Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium sind unruhig und können sich nicht konzentrieren. Das Ziel ist daher, dass das Gehirn aufmerksam und entspannt ist. In einer solchen Frequenz ist das Bild klar. Wenn das Gehirn unruhig ist, wird das Bild verschwommen.“ Das Gehirn lernt so anhand der Rückmeldung der eigenen Aktivität automatisch, seine Selbstregulationsfähigkeit zu verbessern, also möglichst aufmerksam und entspannt zu bleiben. „Sogar dann noch, wenn der Demenzkranke nicht mehr sprechen kann und das Umfeld ihn nicht mehr versteht, kann das Neuro¬feed¬back helfen, ihn zu beruhigen“, weiß Wührer.
Die meisten Patienten, die zu ihm in seine Münchner Praxis kommen, sind Selbstzahler. Aber im Rahmen der Ergotherapie und Verhaltenstherapie ist Neurofeedback als Kassenleistung zugelassen, betont Gernot Wührer.

 

Über Gernot Wührer

Gernot Wührer ist Magister-Pädagoge, Diplom-Psychologe, Yoga-Lehrer und Sportpsychologe. Er hat über 20 Jahre Erfahrung im pädagogisch-therapeutischen Arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Er arbeitete insbesondere als Sozialkompetenz-Trainer für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, Legasthenie-Therapeut sowie als Seminarleiter für Geschwisterkinder und pädagogische Fachkräfte. 
Er arbeitet seit 2017 mit ILF Neurofeedback und ist als Neurofeedback-Therapeut spezialisiert auf die Behandlung von Kindern mit Autismus, AD(H)S, Lernstörung, geistiger Behinderung und Sprachentwicklungsstörung sowie auf das Training von Leistungs- und Profisportlern.

Nikoletta Zita Kertész

Dipl.-Ing. Nikoletta Kertész

Profil

Nikoletta Zita Kertész ist eine zertifizierte Neurofeedback-Trainerin. Sie schloss ihr Studium an der Universität Miskolc Ungarn, als Maschinenbauengineurin ab. Sie arbeitet seit 2016 mit Neurofeedback in Ungarn in der Stadt Győr. 
Das MyNeuro Neurofeedback Zentrum wird von Erwachsenen, Managern und Sportlern besucht, ist jedoch auf die Unterstützung von Kindern mit Autismus und ADHS spezialisiert.

Erfahrungen mit Neurofeedback

  • Arbeitet mit Neurofeedback seit 2016

Kursportfolio

  • Neurofeedback Grundkurse
  • Neurofeedback Infotage
  • "Grosseinsatz" Praxis Tage

Sprachen

  • Ungarisch
  • Deutsch
  • English

Weitere Angebote

  • Einzelsupervisionen
  • Gruppensupervisionen

Erfahrungen mit Neurofeedback in der therapeutischen Praxis

31. März 2021

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Praxis Ergotherapie", Heft 2/2021 stellen Dr. Sigrid Seuß und Jennifer Riederle zentrale Ergebnisse eine Umfrage unter 260 Neurofeedback-Therapeuten vor. Die Analyse veranschaulicht das breite Anwendungsspektrum sowie Effekte des Neurofeedbacks und kommt zu einem positiven Risiko-Nutzen-Verhältnis.

In der Ankündigung des Verlages zum Artikel heißt es:

"Neurofeedback ist ein Therapieverfahren zur Verbesserung der Regulationsfähigkeit des zentralen Nervensystems. Klinische Studien untersuchen die Effekte von Neurofeedback bei verschiedenen Indikationen. Ergänzend sind praktische Erfahrungen ein wichtiger Baustein in der Bewertung des Verfahrens. Es wurden 260 Neurofeedback Therapeuten – mehrheitlich Ergotherapeuten – zu ihren Erfahrungen befragt. Die Analyse bildet die Anwendungsvielfalt, positive und unerwünschte Effekte, ab und kommt zu einem positiven Risiko-Nutzen-Verhältnis."

Quelle: https://www.verlag-modernes-lernen.de/zeitschriften/praxis-ergotherapie/aktuell

An der Umfrage nahmen Personen aus den Fachgebieten Ergotherapie (48%), (Kinder- und Jugend-)Psychiatrie, Psychotherapie und Psychologie (30%) sowie weitere heil- und therapeutisch arbeitende Berufsgruppen (22%) teil, die mit ILF Neurofeedback arbeiten.

85% der Befragten bewerteten Neurofeedback als "wesentliches Hilfsmittel zur effektiven Behandlung ihrer Patienten". Als positive Effekte von Neurofeedback wurden u.a. eine Verbesserung des Schlafes, der Aufmerksamkeit, der Stimmung sowie Emotionsregulation und Impulskontrolle genannt.

Auf die Fragen das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Neurofeedback einzuschätzen, bewerteten dies 96% der Befragten als sehr gut oder gut.

Den Fachartikel mit allen Ergebnissen und Details finden Sie in der Ausgabe 2/2021 der Fachzeitschrift "Praxis Ergotherapie", erschienen am 01.04.2021.

Oder lesen Sie den Artikel hier.

 

 

 

 

Cover Praxsi Ergotherapie Ausgabe 02/2021

Neurofeedback - Was bringt das Training für das Gehirn bei Stress und mentalen Erkrankungen?

30. März 2021

Stress und mentale Belastungen kennen wir alle von Zeit zu Zeit. Psychische Belastungen nehmen jedoch zu - gerade auch jetzt in der Pandemie. 

Wie Neurofeedback hier helfen kann, können Sie in einem kurzem Beitrag lesen, der in der Sonderbeilage "Kopfsache" der Ausgabe Nr. 75 der Tageszeitung "WELT" am 30. März 2021 erschienen ist.

Die Sonderbeilage widmet sich u.a. folgender Schwerpunktthemen:

  • Was macht die Isolation mit unserer Psyche?
  • Wie stärke ich mein Immunsystem?
  • Wie kann man Depressionen und Erschöpfung vorbeugen?
  • Und mentale Gesundheit stärken?

Der Artikel mit dem Titel "Neurofeedback: Was bringt das Training für das Gehirn bei Stress und mentalen Erkrankungen?", adressiert vor allem Interessenten, die Neurofeedback noch nicht kennen, für die aber das Training mit dem Gehirn eine interessante Option sein kann.

Vor dem Hintergrund, dass gerade auch in der Pandemie psychische Belastungen, Depressionen und Stress im Lockdown altersübergreifend zunehmen, wird Neurofeedback als entspannte und ruhige Therapiemethode veranschaulicht, die gerade auch bei mentalen Belastungen helfen kann u.a. Stimmung und Schlaf zu verbessern und sich "im Kopf aufgeräumter" zu fühlen.

Artikel "Neurofeedback: Was bringt das Training für das Gehirn bei Stress und mentalen Erkrankungen"

Den vollständigen Beitrag können Sie hier auch herunterladen.

Viele hilfreiche Informationen zu Neurofeedback finden Patienten auch auf der Webseite des Neurofeedback Netzwerks. Ein Projekts, welches wir seit seiner Gründung 2011 fördern.

Maike Pellarin-Schlingensiepen

Dr. med. Maike Pellarin-Schlingensiepen

Supervisionsangebot

Ich biete Einzelsupervisionen nur für schwierige kinder- und jugendpsychiatrische Fälle an. Bitte kontaktieren Sie mich in diesem Fall.

Sprachen: Deutsch, Englisch

Was ist Neurofeedback?

10. Oktober 2020

Neurofeedback ist eine Therapiemethode, die – ähnlich wie Biofeedbackmethoden – darauf beruht, physikalische Körperfunktionen zu erfassen und diese in Echtzeit durch geeignete Signale zurückzumelden. Da es beim Neurofeedback um das Gehirn geht, sind es hier EEG-Signale, die man für das Feedback nutzt. Neurofeedback wird vor allem in der Therapie eingesetzt, um die Selbstregulierungsfähigkeit zu verbessern. 

Biofeedback


 
Beim Biofeedback werden Körperfunktionen wie unter anderem der Puls, Hautleitwert oder auch Muskelspannung durch Sensoren erfasst und in Echtzeit durch Töne, Bilder oder Animationen erfahrbar gemacht. So können Fehlhaltungen, die zu schmerzhaften Verspannungen führen vermieden werden indem kontinuierlich die Muskelspannung erfasst wird und beispielsweise ein Ton daran erinnert, wieder eine korrekte Haltung einzunehmen. Mit der Zeit wird so trainiert, Körperfunktionen auf einem bestimmten Aktivitätsniveau zu halten oder dieses auch gezielt zu verändern.

 


Neurofeedback – Verbesserung der Selbstregulierungsfähigkeit des Gehirns


Beim Neurofeedback werden nun keine muskulären Körperfunktionen trainiert, sondern die Selbstregulierungsfähigkeit des Gehirns. Dazu werden an der Kopfoberfläche EEG-Signale abgeleitet. Auf Basis einer gründlichen Erhebung der Symptome des Patienten, werden bestimmte Frequenzbereiche der Gehirnaktivität gemessen und ausgewertet, um in Echtzeit das Feedback in Form einer Animation auf einem Bildschirm zu steuern. So bewegt sich beispielsweise eine Animation schneller, das Bild wird klarer oder eine Melodie hörbar. Durch diesen kontinuierlichen Prozess können Patienten lernen ihre Selbstregulationsfähigkeit zu verbessern. Insbesondere bei psychischen Erkrankungen können so oftmals damit verbundene begleitende Stresssymptome, Schlafstörungen oder Störungen des Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspektrums deutlich verbessert werden. 
 
Neurofeedback wird bei den verschiedensten Indikationen erfolgreich eingesetzt, angefangen mit Epilepsie und ADHS, hin zu Angststörungen, Migräne, Tinnitus und Autismus. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus einer langen Listen von möglichen Anwendungsgebieten. 


 
Verweis auf weiterführende Artikel


 
Tan, G. et al. Meta-Analysis of EEG Biofeedback in Treating Epilepsy. Clin. Eeg Neurosci. 40, 1–8 (2009).
Arns, M., Ridder, S. de, Strehl, U., Breteler, M. & Coenen, A. Wirksamkeit der Neurofeedbackbehandlung bei ADHS : Auswirkungen auf Unaufmerksamkeit , Impulsivität und Hyperaktivität : eine Metaanalyse. Dtsch. Verband der Ergotherapeuten (2010).
Moore, N. C. A Review of EEG Biofeedback Treatment of Anxiety Disorders. Clin. EEG Neurosci. 31, 1–6 (2000).
Walker, J. E. QEEG-Guided Neurofeedback for Recurrent Migraine Headaches. Clinical EEG and Neuroscience 42, 59–61 (2011).
Stokes, D. A. & Lappin, M. S. Neurofeedback and biofeedback with 37 migraineurs: A clinical outcome study. Behav. Brain Funct. 6, 1–10 (2010).
Güntensperger. Treatment of chronic tinnitus with neurofeedback. (2018). doi:10.5167/uzh-158283
Holtmann, M. et al. Neurofeedback in autism spectrum disorders. Dev. Med. Child Neurol. 53, 986–993 (2011).
 

Studie zeigt: ILF Neurofeedback führt zur signifikanten Verbesserung von Impulskontrolle und Aufmerksamkeit bei Kindern mit ADHS

22. März 2021

Im Rahmen der Studie - die in Kooperation mit dem Neurofeedback Netzwerk und einer Gruppe von kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen in München durchgeführt wurde - erhielten 251 AD(H)S-PatientenInnen Neurofeedback. Vor Beginn und nach Beendigung der Therapie erfolgte eine Aufmerksamkeitstestung. Ein Vergleich der Testergebnisse zeigt, dass Aufmerksamkeit und Impulskontrolle sich signifikant verbesserten, ebenso berichten die PatientenInnen eine Verbesserung der AD(H)S Symptome. 

Ein ausführlicher Artikel zu der Studie ist im Mai 2020 in “neue AKZENTE” Heft Nr. 115 (ADHS Deutschland e.V.) erschienen. 

Zitation: Mackert, J. (2020). Neurofeedback bei AD(H)S – mit ILF-Neurofeedback die Aufmerksamkeit verbessern. neue AKZENTE 115(1), 8-12. 
PDF Version über Researchgate 

 

Die Diagnose AD(H)S


Etwa fünf Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter leiden unter AD(H)S. Sie zeigen  situationsübergreifend Symptome von Unaufmerksamkeit, Impulsivität und ggf. Hyperaktivität, die zum Teil erheblichen Leidensdruck verursachen. In der Regel ist diese Erkrankung auch mit funktionellen Beeinträchtigungen assoziiert und es kommt insbesondere in den Bereichen Schule und Ausbildung häufig zu Problemen. Betroffene und deren Eltern sind auf der Suche nach effektiven Behandlungsmethoden, insbesondere solchen, die ohne den Einsatz von Psychopharmaka anhaltende Behandlungserfolge bringen. 

 

AD(H)S und Neurofeedback


Da neurologische und psychiatrische Erkrankungen mit spezifischen Veränderungen in der Gehirnaktivität einhergehen (Hammond, 2019), kann Neurofeedback - eine nichtinvasive EEG-basierte und computergestützte Therapiemethode - eine sinnvolle Behandlungsoption sein. Mit Neurofeedback können dem Patienten bestimmte Komponenten der eigenen Gehirnaktivität in Echtzeit visualisiert werden. Diese visuellen Reize stellen ein Feedback-Signal dar, welches von den optischen Hirnzentren dekodiert werden kann. Ausgehend von der Visualisierung der Gehirnaktivität, können - je nach Therapieziel - verschiedene Trainingsmodule ansetzen. 

 

 

Funktionsweise Neurofeedback
München-Studie Neurofeedback bei ADHS Bewertung
München-Studie_Ergebnisse


In dieser Studie wurde das Infra-Low-Frequency (ILF) Neurofeedback angewendet, welches das Gehirn insbesondere mit Anteilen seiner Aktivitäten konfrontiert, die im besonders niedrigen Frequenzbereich liegen. Durch die Platzierung der Elektroden auf der Kopfhaut oberhalb bestimmter assoziativer Hirnareale können dem Gehirn bis zu 15 verschiedene Parameter der Aktivität rückgemeldet werden, um die Änderungen seiner inneren Zustände zu spiegeln und die Veränderungsarbeit auf unbewusster Ebene anzustoßen (Wiedemann, 2015). Bereits seit den 80er-Jahren zeigen klinische Studien mit AD(H)S-Patienten, dass sich durch Neurofeedback verschiedene Parameter der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle sowie schulische Leistungen signifikant verbessern (Lubar & Lubar, 1985; Kaiser & Othmer, 2000; Sasu & Othmer, 2015). Folgestudien bestätigen zudem eine anhaltende Verbesserung der Aufmerksamkeit und auch der schulischen Leistungen sechs und 24 Monate nach Beendigung der Neurofeedback-Therapie (Gani, Birbaumer & Strehl, 2008; Van Doren et al., 2018). Dass eine Behandlung mit Neurofeedback dauerhafte und vergleichbare Effekte wie die Behandlung mit Stimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin) bringt, konnte in neueren Arbeiten nachgewiesen werden (Fuchs et al., 2003.; Monastra et al., 2002; Rossiter, 2004). 

 

Die Studie 


Ziel dieser multizentrischen Beobachtungsstudie war es zu untersuchen, ob ILF Neurofeedback eine therapeutisch relevante Behandlungsoption für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit AD(H)S darstellt. Im Zeitraum von Januar 2015 bis September 2017 wurden 251 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (7-21 Jahre) mit einer AD(H)S-Diagnose begleitet, die in einem Zeitraum von 15 Wochen etwa 30 Sitzungen Neurofeedback erhielten, was der empfohlenen Frequenz von zwei Sitzungen pro Woche entspricht. Die PatientInnen nahmen jeweils vor und nach der NeurofeedbackTherapie an einem spezifischen Test zur Erfassung verschiedener Parameter der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle teil und bewerteten zudem auch die Schwere ihrer Symptome.

Für das ILF-Neurofeedback wurden EEG-NeuroAmp®-Systeme der Firma BEE Medic genutzt. Das angewendete Behandlungsprotokoll entsprach der evidenzbasierten Methode nach Othmer, bei der die Elektrodenplatzierung und Trainingsfrequenzen (<0.1 Hz) individualisiert festgelegt werden (Othmer, 2017). Die Testung der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle wurde mit dem ContinuousPerformance-Test (QIKtest) durchgeführt, welcher die Aufmerksamkeit in vier Variablen (Reaktionszeit, Variabilität der Reaktionszeit, Auslassungsfehler und Kommissionsfehler) erfasst.

In die Auswertung wurden die Vorher- und Nachher-Testdaten von n=196 TeilnehmerInnen (21% = weiblich, 79% = männlich, Durchschnittsalter =  12,06). Tabelle 1 zeigt die gemessenen prä-post Werte in den vier Variablen der Aufmerksamkeitstestung sowie (signifikante) Unterschiede. 

Die Auswertungen des Aufmerksamkeitstests zeigt eine signifikante Verbesserung aller vier Parameter nach der Neurofeedback Therapie. Dies lässt darauf schließen, dass jene zu einer verbesserten Selbstregulation des Gehirns beiträgt. Im Schnitt reagierten die PatientInnen schneller, die Variabilität in der Reaktionszeit war geringer und auch die Anzahl der Fehler ging signifikant zurück. Dies zeigt sich insbesondere bei den Commissionsfehlern: die TeilnehmerInnen zeigten also nach der Neurofeedback Therapie signifikant seltener ein impulsives Antwortverhalten. 

97% der PatientInnen berichten außerdem subjektiv von einer Verbesserung von Symptomen nach der Neurofeedback Behandlung. Nur 3% der PatientInnen gaben an, im Vorher-Nachher-Vergleich keine Verbesserung in den Symptomen wahrgenommen zu haben.

 

Besonders starke Veränderungen in der Bewertung zeigen sich bei den Symptomen Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit. Diese werden von den PatientInnen nach der Neurofeedback Therapie deutlich weniger schwer bewertet. 

 

Studienergebnisse und Implikationen


Die Ergebnisse legen nahe, dass sich nach etwa 30 Neurofeedback Sitzungen Aufmerksamkeit, Daueraufmerksamkeit und Impulskontrolle der PatientInnen signifikant verbessert hatten. Ebenso konnte die wahrgenommene Stärke der Symptome stark reduziert werden. Der therapeutische Nutzen des ILF Neurofeedback kann basierend auf diesen Ergebnissen als sehr gut bewertet werden. Dies spricht dafür, dass eine ILF-Neurofeedback Therapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit AD(H)S ein sinnvoller Therapiebaustein sein kann. Die Rückmeldungen von Seiten der PatientInnen sowie deren Eltern waren durchweg positiv. Auch die behandelnden TherapeutInnen bewerten die Behandlungsmethode sowie die Veränderungen ihrer PatientInnen als sehr positiv. Diese vielversprechenden Ergebnisse motivieren zu weiterer Forschung zu ILF-Neurofeedback in der Behandlung von AD(H)S. Insbesondere solche, die über die Limitation dieser Beobachtungsstudie hinausgehen und beispielsweise interventionellen Charakter haben, eine Kontrollgruppe und weitere validierte Erhebungsinstrumente zu Parametern von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle et. - auch als Validitätskriterien- umfassen. Studien, die Neurofeedback vergleichend zu anderen Therapieverfahren und/oder die Langzeitwirkung der Effekte einer Neurofeedback Therapie untersuchen, wären ebenfalls interessant.  Obwohl die Ergebnisse aus der vorliegenden Beobachtungsstudie nur begrenzt generalisierbar sind, so zeigen sie anhand einer recht großen Stichprobe, dass eine subjektive und behaviorale Verbesserung von Symptomen durch die ILF-Neurofeedback Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S möglich ist. ILF-Neurofeedback kann dabei als nichtmedikamentöse, nicht-invasive und schmerzfreie Behandlungsoption die Therapiemöglichkeiten bei AD(H)S, bereichern. 

 


Quellen 

Fuchs, T., Birbaumer, N., Lutzenberger, W., Gruzelier, J. H. & Kaiser, J. (2003). Neurofeedback Treatment for AttentionDeficit/Hyperactivity Disorder in Children: A Comparison with Methylphenidate. Applied Psychophysiology and Biofeedback, 28 (1), 1-12.
Gani, C., Birbaumer, N. & Strehl, U. (2008). Long term effects after feedback of slow cortical potentials and of theta-betaamplitudes in chindren with attention-deficit/hyperactivy disorder (ADHD). International Journal of Bioelectromagnetism, 10 (4), 209-232. 
Hammond, D. C. (2019). Integrating Clinical Hypnosis and Neurofeedback. American Journal of Clinical Hypnosis, 61(4), 302- 321. 
Kaiser, D.A. & Othmer, S. (2000). Effect of Neurofeedback on Variables of Attention in a Large Multi-Center Trial. Journal of Neurotherapy, 4 (1), 5-15. 
Lubar, J.O. & Lubar, J.F. (1984). Electroencephalographic Biofeedback of SMR and Beta for Treatment of Attention Deficit Disorders in a Clinical Setting. Biofeedback and Self-Regulation, 9 (1), 1-23. 
Monastra, V. J., Monastra, D. M. & George, S. (2002). The Effects of Stimulant Therapy, EEG Biofeedback and Parenting Style on the Primary Symptoms of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Applied Psychophysiology and Biofeedback, 27 (4), 231-249. 
Othmer, S. (2017) Protocol guide ILF HD-module 6th Edition. Woodland Hills CA: EEG Institute.
Rossiter, T. (2004). The Effectiveness of Neurofeedback and Stimulant Drugs in Treating AD/HD. Applied Psychophysiology and Biofeedback, 29 (4), 233-243. 
Sasu, R. & Othmer, S. (2015). Neurofeedback in Application to the ADHD spectrum. In Hanno W. Kirk (Hsg.) Restoring the Brain: Neurofeedback as an Integrative Approach to Health. (S.231-260). Boca Raton, Florida: CRC Press.
Van Doren, J., Arns, M., Heinriich, H., Vollebregt, M. A., Strehl, U. & Loo, S. K. (2018). Sustained Effects of Neurofeedback in ADHD: a Systematic Review and Meta-Analysis. European Child & Adolescent Psychiatry, doi: 10.1007/s00787-018- 1121-4. 
Wiedemann, M. (2015). Infra Low Frequency (ILF-) Neurofeedback. In K.-M. Haus, C. Held, A. Kowalski, A. Krobholz, M. Nowak, E. Schneider, G. Strauß & M. Wiedemann, Praxisbuch für Biofeedback und Neurofeedback (2. Auflage), 91- 115. Berlin, Heidelberg: Springer. 

 

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